Im Jüdischen Museum Hohenems, einem der zahlreichen Highlights der Vorarlberger Kulturszene, ist derzeit eine Ausstellung zu sehen, die auch interessante Perspektiven auf Markenprozesse wirft. Es geht diesmal um die Stadt Tel Aviv. Sie hat ein City-Branding par exzellence hinter sich.

Tel Aviv gilt heute als jung, dynamisch, attraktiv – und das, obwohl die eigenen Bewohner ihre Stadt noch vor Beginn des Markenprozesses als alt, hässlich, „ein Ort, den ich verlassen möchte“, eingestuft haben. „The start-up-city, the party city, the dancing city“ sind nur wenige Beispiele, der zahlreichen Übernamen, die die Stadt aufgrund ihrer Entwicklung bekommen hat.

Soweit sogut, Rechnung der City-Branding-Agentur aufgegangen? ROI nachweisbar? Auf den ersten Blick – Ja! Oder ist doch alles nur Show?

Der Direktor des Jüdischen Museums Hohenems war auch Mitglied der Projektgruppe von Marke Vorarlberg.

In die Tiefe gegangen oder aufgesetzt? Peter Loewy zeigt in seinen Fotografien einen Blick hinter die blanke Oberfläche Tel Avivs.

Es wäre nicht das Jüdische Museum Hohenems, wenn es sich mit einer oberflächlichen Betrachtung zufrieden gäbe. Kurator Hannes Sulzenbacher und das Team decken spannende Ambivalenzen auf.

 

Zum Beispiel fällt auf, wie sehr sich die Stadt bemüht, jeglichen Zusammenhang mit ihrer Geschichte zu vermeiden und so zu tun, als hätte sie mit dem Nah-Ost-Konflikt nichts zu tun. Wenige ausgewählte Motive, wie etwa jene Gruppe von Menschen, die am Strand die die Landparzellen verlosen soll, dienen zur Interpretation von Markenwerten („Damals schon war die Start-up-Kultur zu erkennen!“)

Was für ein Glück, dass sich auch in der Marken- und Kommunikationsszene diesbezüglich viel geändert hat. Authentizität ist in den 2010ern viel wichtiger, als in den Werbeboom-Jahren der 1980er. Statt hochpoliertem Marketing setzt man heute auf Storytelling und hochwertigem Content. Echtheit ist anziehender als perfektes Styling.

„All About Tel Aviv-Jaffa. Die Erfindung einer Stadt“. Unbedingt anschauen, an einer Führung teilnehmen, anschließend in einem der schönsten Cafés Vorarlberg im Erdgeschoss des Jüdischen Museums Schlüsse auf den Marke-Vorarlberg-Prozess ziehen!

Noch bis 6. Oktober 2019 jeweils von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr. www.jm-hohenems.at

Text: Christina Meusburger, Fotos: Christina Meusburger und Dietmar Walser

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